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Worpswede – 18. Dezember 2010 (Natascha)

Ihr Lieben, lasst Euch gesagt sein: Wenn der Betreiber eines öffentlichen Verkehrsmittels davon abrät, Geld für die Beförderung auszugeben und stattdessen lieber zu Hause zu bleiben... dann ignoriert es!

Hätte ich auf diese Ansage gehört, wäre mir zwar eine fette Erkältung erspart geblieben, doch gleichermaßen hätte ich einen wie immer tollen Auftritt unseres Höllenfeuer-Gottes verpasst. Und nicht nur das: Es war ein weiteres wunderbares Wochenende mit sehr viel Spaß, Lachen und wie immer nur widerwillig vollzogenen Abschieden.

So hat sich denn die stundenlange Warterei an diversen Bahnhöfen Deutschlands absolut gelohnt. Und auch der viel zu spät eintreffende Bus von Bremen nach Worpswede – von dem bis zum Eintreffen am Hauptbahnhof niemand wusste, wo er gerade steckt, ob er überhaupt kommt oder es doch ein Taxi werden müsse – konnte nicht die Vorfreude auf einen hoffentlich gelungenen Abend mit Arthur, der Hamburg Blues Band, Clem Clempson und Chris Farlowe mindern. Natürlich auch nicht auf die ganzen lieben Leuts, die ebenfalls dazu gehören: Jutta, André, Bärbel – um nur ein paar zu nennen.

Ich hatte alle schon viel zu lange nicht mehr gesehen (seit dem letzten Konzert waren erneut eineinhalb Jahre vergangen... wie schaffe ich das nur immer?) und freute mich ungemein auf das bevorstehende Konzert und überhaupt das ganze Wochenende. Als sich dann in der vorangegangenen Woche der Winter dazu entschloss, Deutschland zu besuchen, wurde mir schon ein bissl mulmig zumute. Aber was soll's – nachdem ich aus persönlichen Gründen bereits mehrere Konzerte im Jahr 2010 absagen musste, hatte ich mir fest vorgenommen, auch unter den widrigsten Umständen gen Norden zu reisen.

Also packte ich samstagmorgens gut gelaunt meine Siebensachen, schaute vorsichtshalber nach, was mein reservierter Zug so machte – 30 Minuten Verspätung drei Stunden vor Abfahrt – und begann das Wochenende mit ausgedehntem Nichtstun. Eine halbe Stunde später lag die Verspätung bereits bei 60 Minuten. Kurz darauf bei 100. So fuhr ich vorsichtshalber dann doch früher als geplant auf gut Glück zum Kölner Hbf und war gespannt darauf, was mich dort erwartete.

Die Überraschung war nicht allzu groß, als ich feststellte, dass ich eineinhalb Stunden auf den nächsten Zug warten musste. Nein, das war nicht meiner, sondern der darauf folgende Zug, welcher ebenfalls bereits eine satte Verspätung aufwies und dennoch noch lange vor dem ursprünglich geplanten Zug eintreffen sollte.

Was macht Frau also? Genau: shoppen gehen! Der fußläufig erreichbare Dom-Weihnachtsmarkt und eine große Parfümerie im Kölner Hauptbahnhof konnten mich für sich einnehmen, sodass ich letztlich mit deutlich mehr Gepäck am Bahnsteig ankam, als ich ursprünglich bei mir hatte... naja, kurz vor Weihnachten passiert so etwas schon einmal ohne schlechtes Gewissen. :-)

Die Zugfahrt gestaltete sich dann als viel entspannter als befürchtet – ein angenehm leerer Großraumwagen und Mitreisende, die genau wie ich Kopfhörer auf den Ohren hatten und quasi durchgängig schliefen, sodass ich meine eigene Musik ohne schlechtes Gewissen bis zum Anschlag aufdrehen und ebenfalls die Augen eine Weile schließen konnte. Immerhin wollte ich ja musikalisch eingestimmt und entspannt ankommen, da es vermutlich wieder einmal ein langer Abend werden würde.

Mit saftiger Verspätung kam ich schließlich in Bremen an und hatte großes Glück, dass der Bus nach Worpswede, welcher bereits seit gut zehn Minuten abgefahren sein sollte, offensichtlich ebenfalls dem Schnee-Chaos zum Opfer gefallen war und noch auf sich warten ließ, womit sich die Suche nach einer anderen Verbindung bzw. einem freien Taxi erübrigte.

An dieser Stelle sei angemerkt, dass man immer recht freundlich zu seinen Mitmenschen sein sollte – man weiß nie, ob man sich nicht bald wiedersehen wird! So geschehen zumindest bei mir, denn später am Abend stellte sich heraus, dass eine meiner Mitwartenden dasselbe Ziel hatte wie ich und wir den Großteil des Abends miteinander verbringen sollten. Wie gut, dass wir uns schon beim Warten bestens verstanden haben, ohne zu wissen, wer der Andere ist. So kann's gehen. :-)

Nachdem schließlich eine gute dreiviertel Stunde Aufwärmen im Bus ein Ende hatte, bahnte ich mir meinen Weg durch die Schneelandschaft Worpswedes zur Music Hall. Vom Ort habe ich leider nicht allzu viel gesehen, daher kann ich die gesammelten positiven Berichte, die ich darüber im Laufe der Zeit gehört und gelesen habe, nur insofern bestätigten, als die beleuchteten Häuser und die Schneeverwehungen im Dunkeln durchweg ein sehr schönes und gemütliches Ambiente vermittelten. Nichtsdestotrotz merken: Nächstes Mal im Sommer herkommen und mehr Zeit mitbringen!

In der Halle gab es dann erst einmal ein großes Wiedersehen mit André, der bereits seit Stunden meine Status- und Verspätungsmeldungen per SMS erdulden musste und sicherlich froh war, dass dies endlich ein Ende hatte (ich an seiner Stelle wäre es zumindest gewesen :-) ). Beim Check-in ins Hotel traf ich dann oben erwähnte Dame, die zuvor mit mir in der Kälte des Bremer Busbahnhofs ausgeharrt hatte, und wir stellten fest, dass wir beide eine Verbindung zu den Musikern haben – „unsere“ Geschichte musste sich dann im weiteren Verlauf des Abends auch jedes einzelne Bandmitglied anhören, da wir es so witzig fanden. :-) Zur Entschädigung gab es immerhin selbstgebackene Weihnachtsplätzchen, die – ganz ohne Eigen-Lobdudelei gesprochen – großen Zuspruch erfuhren. Was soll ich sagen – ein bissl 'Bestechung' kann nie schaden. ;-)

Während meiner Reise nach Worpswede war bereits die Frage aufgekommen, ob ich Neuigkeiten von Arthurs Verbleib hätte. Hatte ich nicht. Mein letzter Stand (vom Vorabend) war, dass sein Flug gestrichen wurde und er samstagmorgens mit dem Zug anreisen wollte. Was er denn auch tat, nur wusste eine ganze zeitlang niemand, wann er in Worpswede ankommen würde. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle an die moderne Technologie, die ohne voll aufgeladene Akkus und durchgehende Funkverbindung so überaus wunderbar funktioniert...

Irgendwann gab es dann aber doch ein Lebenszeichen – Arthur sollte um 20 Uhr in Bremen sein. Also früh genug für den Auftritt. Im Laufe des Abends verschob sich seine Ankunftszeit dank des Wetters allerdings immer weiter nach hinten, und letztlich wurde es dann doch extrem eng. Aber er hat es geschafft: Nach 36 (!) Stunden Anfahrt stand Arthur auf der Bühne.

Die Hamburg Blues Band hatte bereits ihren eigenen Auftritt, und der gemeinsame Gig mit Chris stand kurz bevor – als auf einmal die Meldung kam, dass Arthurs Taxi vorgefahren sei. „Boah – gottseidank!“ Er war der unumstrittene Held des Abends! Chris (der ebenfalls eine eher wenige 'durchgängige' Anreise hatte) verkündete dies denn auch während seines Auftrittes, was zu einem wohlwollenden Applaus für Arthur seitens des Publikums führte.

Zu Arthurs Auftritt kann ich nur wiederholen, was ich wohl in bisher jedem Bericht geschrieben habe: einfach klasse! Dies war das zweite Mal, dass ich ihn mit der Hamburg Blues Band habe spielen sehen, und ich bedaure es bereits jetzt, dass ich nicht alle noch folgenden gemeinsamen Auftritte werde sehen können. Wer von Euch die Möglichkeit hat, eines der Konzerte zu besuchen, sollte dies unbedingt tun. Ich kann allerdings auch guten Gewissens dazu raten, einem Auftritt der Hamburg Blues Band ohne Arthur beizuwohnen (im Zweifel einfach mehrere Konzerte mitnehmen, wenn Ihr es sowohl zu einem Gig mit als auch zu einem ohne Arthur schafft! ;-) ), denn die Jungs sind einfach klasse!

Im Anschluss an das Konzert haben wir noch lange zusammengesessen, über unsere Reiseerfahrungen und natürlich das Konzert gesprochen, bis es schließlich Zeit war, in Form von Schlaf neue Energie für die Heimreise zu tanken.

Am nächsten Morgen dann die nächste – eher weniger überraschende – Nachricht: Hamburg Airport ist geschlossen. Chris und Arthur hatten also keine andere Wahl, als ihren Weg per Zug über Köln und Brüssel in Richtung UK anzutreten. So landeten wir (nach einer ausgiebigen Verabschiedung vorm Hotel von den Anderen (wie hasse ich das!)) also zu dritt in einem der Restaurants am Bremer Hauptbahnhof und harrten gespannt der Dinge – oder auch: der Verspätung – die da kommen mochten.

Nach mehreren Stunden des Wartens fuhr schließlich ein Zug in Richtung Köln ein, und trotz einer technischen Störung bezüglich der Reservierungen (glaubt mir, Einzelheiten hierzu wollt Ihr nicht wissen!) hatten wir großes Glück und bekamen sehr gute Sitzplätze bis Köln. Unsere (wechselnden) Mitreisenden im Sechserabteil werden ihren Freunden im Nachhinein die eine oder andere spannende Geschichte über die musikalischen Gegebenheiten und Stars der späten Sechziger- und frühen Siebziger-Jahre zu erzählen haben. Ganz zu schweigen von der super netten jungen Dame, die mit uns am Bahnsteig auf den Zug wartete und nach nicht einmal zehn Minuten feststellte, dass Artur ein wenig „crazy“ sei. Ach was! :-)

In Köln stand dann das Warten auf Arthurs und Chris' Anschlusszug an. Soviel kann ich sagen: Beide sind gut und sicher zu Hause angekommen, auch wenn es noch einer Menge Umorganisierens und Wartens bedurfte.

Aber da so ein bissl Warterei und Frieren keinen wirklichen Musiker davon abhält, weiterzumachen, werden wir auch im Jahr 2011 das eine oder andere gemeinsame Konzert erleben dürfen. Ich für meinen Teil freue mich darauf – ganz nach dem Motto: „Scheiß aufs Wetter!“

Ein großes Dankeschön an dieser Stelle wie immer an alle Beteiligten: der Hamburg Blues Band für einen tollen Abend mit schöner Musik und tollen Unterhaltungen, den Vikings für die super familiäre Atmospähre und eine tolle Orga, Jutta für jede Menge Lachen (viele Grüße an Fridolin von Fritz!) – und allen voran natürlich Arthur für ein weiteres unvergessliches Wochenende mit einer Menge Shakespeare, Hinweisen für Dehnübungen für groß gewachsene Menschen (ich sage nur: Rückenschmerzen, weg mit Euch!) und ganz vielen ausgiebigen Gesprächen.

→ Burg Herzberg-Festival 2009
← Kirchheim unter Teck, 18.02.2011
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